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WENN DER KÖRPER PLÖTZLICH VERSTEHT

• WENN DER KÖRPER PLÖTZLICH VERSTEHT •

Ich hatte am Wochenende ein Aha-Erlebnis. Ich war bei einer Supervisions-Stunde im Kreis meiner alten Kollegen aus der Impuls-Ström-Ausbildung. Dort erzählt jeder, wie es ihr oder ihm gerade so geht, und welchen Schwierigkeiten man gerade gegenübersteht. Das ist immer sehr befreiend und bereichernd.

So auch dieses Wochenende. Mich hat nämlich mal wieder mein Ischias geplagt. Das tut er alle paar Monate massiv. Und dazwischen – auch wenn der Nerv selbst keine Aufmerksamkeit verlangt – habe ich immer das Gefühl, dass mein rechtes Bein ein bisschen zu weit in der Hüfte steckt. Die ist dann nicht ganz so beweglich, und die Muskulatur vor allem auf der Hinter- und Außenseite ist stark verkürzt.

Und als es am Samstag Abend um die Hüft-Arthrose ging, über die eine Kollegin ihre Diplomarbeit geschrieben hat, ist es mir auf einmal wie Schuppen von den Augen gefallen: Ich habe meine Handbremse angezogen. Obwohl ich es schon besser wissen müsste, hat mich etwas dazu veranlasst, mich zurückzunehmen, nicht mein Tempo zu gehen, mich anzupassen.

Das ist eine ganz alte Strategie, die ich schon als Kind verfolgt habe, wenn rund um mich nicht alle glücklich und gut drauf waren. Ich habe schon damals versucht, dann so unauffällig, so brav wie möglich zu sein und niemandem „zur Last zu fallen“. Und so verhalte ich mich teilweise heute noch, wenn ich glaube, dass jemand, der mir wichtig ist, eh schon genug um die Ohren hat.

Man kann jetzt denken, dass das ja ein sehr feiner Zug von mir ist, das Blöde ist nur, dass mein Verhalten mich immer grantiger und meine Hüfte immer „verbackener“ und schmerzhafter macht. Und ich beginne, die äußeren Umstände für meinen Grant und meine Schmerzen verantwortlich zu machen, und hätte dann gern, dass sich diese äußeren Umstände ändern.

Aber das Außen kann ich nicht beeinflussen, niemand kann das. Das einzige was ich machen kann, ist meine Handbremse lösen, meine Energie wieder fließen lassen und tun, was mich glücklich macht. Es möchte sowieso niemand, dass ich mich zurücknehme, das bilde ich mir in Wahrheit immer nur ein.

Nach dieser Erkenntnis und zwanzig Minuten geströmt werden war meine Hüfte am Samstag auf einmal wie neu. Kein beengtes Gefühl, kein Schmerz, nichts. Ich bin gespannt, wie lang dieser Zustand anhält, und wann meine alte Gewohnheit wieder zur Handbremse greift.

 

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